gelesen, kulturkritik

Fantasy Thriller in Moskau

The Night Watch – Sergei Lukyanenko

Der Buchdeckel verprach mir eine Köstlichkeit – so originell wie Anne Rice und Philip Pullmann. Zwei Autoren, die ich persönlich sehr schätze.
Und originell – das ist das Buch wahrlich.

Dennoch waren meine Erwartungen zu hoch.

Aber mal von Anfang.

Die Geschichte ist ungewöhnlich: Ich wurde in das Leben des Nachtwächters Anton Gorodetsky reingeworfen. Wie er leidet und kämpft, fühlt und mitfühlt, wie er liebt und wie er flucht. 3 Lebensabschnitte konnte ich
mitverfolgen, denn in drei Abschnitte ist das Buch unterteilt.

Anton’s Welt ist gespalten in weiss und schwarz.
Licht und Dunkel.
Gut und Böse.

Und Anton gehört zu den Guten, er ist ein Light One. Er gehört zu denen, die in der Nacht umherpatrouilleren und sich die Bösen, Dark Ones, schnappen, die die Regeln des Treaty, also des Abkommens zwischen Licht und Dunkelheit, verletzen.

Logischerweise gibt es also auch eine Daywatch – eine Gruppe von Dark Ones, also Magier, Werwölfe, Vampire – die tagsüber die Weltordnung beisammenhalten müssen. Doch denen wird ein anderes Buch gewidmet, The Day Watch.

Zurück zu den Guten.

Alles in allem ist das Leben als Wächter ziemlich geregelt und klar. Und doch kann es immer wieder Verstosse und Ausnahmen geben. Und um diese Besonderheiten der Nightwatch handelt dieses Buch. Um jene spannenden Momente die sich von den langweiligen, durchgeregelten Tagen eines Nachtwächters unterscheiden.

Ein typischer Fantasythriller?
Ein Krimi mit Vampiren, Werwölfen und Hexen?

Nicht ganz.
Ein Fantasythriller, ja, aber russisch gewürzt und mit vielen philosophischen Passagen ; es ist nicht immer einfach, als Light One die Welt retten zu müssen, ohne es zu übertreiben.
Ist ja logisch: Wenn Etwas Gutes in der Welt getan wird, muss dies wieder ausgeglichen werden durch eine dunkle Aktion.

Politische Fantasy – wenn das mal nicht originell ist.
Kein Wunder, dass das Buch verfilmt wurde.

Wen’s interessiert: http://www.foxsearchlight.com/nwnd/

Rekapitulation:
(Kurz) fassung für faule Leser

+ Originell, politisch. philosophisch.
+ Russische Kultur kriegt man nicht täglich aufgetischt – Namen wie Ignatievich, Kostya oder Ilya auch nicht.
+ Ich hab die Wörter petty und genuine neu in meinen Wortschatz aufnehmen können. (Jawohl, habs auf Englisch gelesen. Deshalb auch all die nicht-deutschen Bezeichnungen oben. Pardon.)
+ Ich wusste nicht, dass Metro-Stationen so komplizierte Namen tragen konnten.
+ Der Protagonist gehört nicht zu den Alleskönner, PP, Egozentrischen Helden die sich während einer Geschichte nicht entwickeln.

– Der Protagonist entwickelt sich trotzdem kaum. Finde ich.

(Also mir hat er überhaupt nicht gefallen. Ich fand ihn sogar total unsympathisch. Vielleicht kein Alleskönner, aber dafür sehr fade. (Obwohl er die halbe Welt rettete. Kriegte nicht mal eine richtige Belohnung dafür. (Ich meine: Come on! Wieso rettet gerade er alle vor der uuuunglaublichen Katastrophe, er, der kleine Anton, der Nichtsnutz?! )))
– Wieso macht der Autor drei Geschichten in einem Buch!?
– Ich hatte das Gefühl, die Worte petty und genuine wiederholten sich ständig. Vielleicht ist ja die deutsche Sprache nicht so reich wie die russische. Vielleicht müsste ich das Buch auch einfach auf Russisch lesen statt auf Englisch.
– Ein Minuspunkt kriegt auch das Politische, obwohl es oben bei den Pluspunkten ist. Irgendwie war mir alles zu geregelt. Zuviel Kontrolle von einer anderen Macht, einer magischen Oberschicht von der die menschliche Welt nichts weiss. Manchmal hätte ich die Charaktere durchschütteln wollen, damit sie endlich das tun, was sie wollen, und nicht was ihr ach so herrlicher Boss wollte. Ist vielleicht böse, aber so ganz spontan erinnerte mich das an die Sowjetunion. Ständige Überwachung durch den Polizeistaat. Beeinflusst wurde der Autor bestimmt davon, aber ob es so gewollt daran erinnern soll, weiss ich nicht.

Alles in allem sehr interessant, mal etwas aus Russland zu lesen.
Aber so ganz mein Ding wars trotzdem nicht.

Ach, übrigens:
Whooohooo, erste Kulturkritik!

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