gedankensalat, motzgurke

Das Leben ist auch ohne Fussball schön

Auch wenn ich die letzten Tage (was schreib ich – Wochen , Monate!) keine Zeitung gelesen, den Fernseher nicht mehr angeschalten, das WWW vermieden und mich sozial isoliert hätte wär ich wohl kaum drumherum gekommen. Sogar in der Migros trifft man EM-Aufschriften auf Gemüse und an jedem dritten Wagen, Töffli und Fahrrad in der Stadt schwingt lässig eine Fahne des unterstützten Landes mit.

Es ist wieder Fussballzeit.

Ist ja auch mal was, jedermann wird für ein paar Wochen zum Patriot und kennt sich urplötzlich im Fussball besser aus als der Schiedrichter, der Fernsehmoderator und alle Spieler zusammen. Man wirft mit komplexen Begriffen umher die vorher nur in hochprofessionellen Sportmagazinen vorkamen und macht schon um 16 Uhr Schluss damit man ja nicht zu spät kommt für die faszinierende Nationalhymne am Anfang des Spiels. (Wobei zu normalen Zeiten natürlich niemand weiss, dass eine solche existiert, geschweige denn wie sie gesungen wird.)
Und wenn es endlich soweit ist wird der Mensch zum Tier für 90 Minuten bzw. meistens länger, je nach Resultat, Raumtemperatur und anwesenden EM-Mitguckern halt.

Lächerlich wird’s, wenn ein Haufen sechzigjähriger Feierabendbiertrinker von ihren Sitzen aufspringen sobald der Ball auch nur über die Mittellinie ist, als ob es von ihrem Geschrei und Geklatsche abhinge, dass der Ball vielleicht einmal im Laufe der nächsten Halbzeit ins Tor rollt. Sie verfluchen lautstark denjenigen der den Ball abgegeben hat und haben plötzlich Reflexe wie schon seit Jahren nicht mehr.

Meine Herren, ihr könnt nichts dafür, dass der Ball reingeht oder eben nicht. Und nein, nicht „wir“ haben verloren oder gut gespielt, sondern die elf durchnässten Männchen dort im Zauberkasten. Auch Klatschen nach dem Spiel bringt nicht viel: Die hören euch nicht durch den Bildschirm und der Fernseher gibt sich auch mit einem einfachen Knopfdruck zufrieden.
Ich mich übrigens auch.

Man beachte noch nebenbei den nicht allzu schlechten Artikel auf stupidedia: Fussball

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4 Gedanken zu “Das Leben ist auch ohne Fussball schön

  1. Absolutes dito in allen Punkten ;)
    Ich muss zugeben, diesmal toleriere und akzeptiere ich Fußball sogar ein wenig mehr als damals zur WM (ich erinnere mich nur ungern an diese grausige Zeit in der WM-Stadt Köln), aber trotzdem halte ich mich so gut es geht davon fern, schaue die Spiele nicht und schüttle nur den Kopf, wenn wir an Deutschland-Spieltagen den abendlichen Unikurs ausfallen lassen, um ihn dann in zwei aufeinanderfolgenden Wochen in 30-Minuten-Häppchen nachzuholen, damit auch ja jeder die Spiele gucken kann.

  2. Du hast recht. es ist schlimmer als 06, es ist furchtbar, man scheint sich besser zu finden, wenn man in Deutschlandfarben rumläuft und seine Balkonpflanze in eine Fahne einwickelt. Heut sah ich jedoch zwischen den ganzen befahnten Autos ein einziges mit einer türkischen Flagge, das fand ich doch sehr sympathisch.

  3. protagonistin schreibt:

    He ihr zwei :)

    @Ines. Während der WM war ich zum Glück grad in Schottland – Sprachaufenthalt. Da ists dank Pub-Atmosphäre und Schotten (die einfach immer für diejenigen Krach machen, die am Gewinnen sind) doch lebbar.
    Das mit der Uni.. ich fühle mit. :D Versteh ich einfach nicht.

    @Lena. Hier seh ich zum Glück ab und zu sogar schwedische oder italienische Fahnen. Macht das Ganze freundlicher..

    @Beide. Danke für die Worte, freut mich grad total mal Besuch zu kriegen!

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