erlebt, lebensbericht, motzgurke

Krah

Sonntagmorgen, 11 Uhr: Als ehrenhafter Morgenmuffel liege ich noch im Bett. Das Telefon klingelt. Ob ich am Dienstag was vorhabe. Nein. Ich habe nichts vor. Ich mache Ferien. Wenn ich Ferien mache dann liege ich wochenlang in meinem Zimmer oder im Garten und mache nichts anderes, als mich zu beschweren wie schwer das Leben sei. Also nein. Ich habe nichts vor.

Er: „Ich muss kurz ausholen..“
Dann gibts eine Erläuterung über Literaturfestivals für Kinder und Jugendbücher in Dieserundjenerstadt (..also das Festival ist dort, nicht die Bücher (gut, die zwar auch, sonst kanns ja kein Festival geben (wie auch immer))) und über das Logo dieses Festivals, ein schmucker Rabe. („Ooookaaay?“ meinerseits. Wieso ruft der mich an einem Sonntagmorgen an um mir das zu erzählen?)

Dann der Punkt.

In Dieserundjenerstadt gebe es als diesjährige Ferienaktivität für die Jüngsten unter Anderem eine Führung in einem Buchhaus. Und das Ganze werde von diesem Festival organisiert. (Ja, der Punkt ist lang.)

Jetzt brauchen die aber noch jemanden, der während gut zweimal einer halben Stunde die Kinder ins Buchhaus begleitet. Der Clou (das ist wie der Punkt, nur in Kurzfassung): Im Rabenkostüm.
Für Geld natürlich.

Und da ich generell nicht abgeneigt bin neue Erfahrungen zu sammeln (für Geld natürlich) sage ich zu.

Und finde mich heute morgen in Dieserundjenerstadt wieder. Im Rabenkostüm. (Ihr könnt euch das wie diese Disney-Kostüme vorstellen: Grosser Kopf, lächerliche Grinsefratze, monstermässige Stoffaugen die den Himmel anstarren, schwer zu tragen und vor allem: Heiss.)
Und dabei winke ich, schüttle den vielen Kindern die Hand und grinse ihnen zu. Was ich allerdings vergesse, ist, dass sie mein Grinsen gar nicht sehen, da mein Gesicht hinter einem Netz im Inneren des Schnabels des Raben verborgen liegt. (Also unnötige Muskelanstrengung.)

Das Händeschütteln ist auch eine ganz witzige Sache: Ich behaupte eigentlich relativ normale Frauenhände zu haben, d.h. keine riesigen Rabentatzen (zumindest haben dem Kostüm zufolge Raben Tatzen – und nicht etwa Flügel, wie man meinen könnte.)

Erstens heisst das, dass die weissen Handschuhe (die wahrscheinlich eher für Yetimänner genäht worden sind als für angehende Studentinnen) kaum an den Extremitäten meiner Arme bleiben. Und zweitens, dass ich nicht spüre, wenn ein Kind mir die Hand schüttelt (sprich: an einem Rabenfinger zupft), da der Handschuh so gross ist.
Ich frage mich, wieviele hoffnungsvolle und glückliche Kinder der Rabe im Stich gelassen hat, nur weil er sich umdrehte

Man kann sowieso von Glück sprechen, dass ich kein Kind umgebracht habe, die Sicht ist nämlich soweit eingeschränkt, dass man 1. Klässner (ja, Primarschul-Erstklässner (und ja genau: JÖÖÖ)) und alles was kleiner ist (gibts das?) nicht sieht. Ausser man schaut nach unten. Aber dann rutscht der Kopf weg. Kopfloser Rabe. Wär probably eine Zumutung gewesen für die Kinder.
Oder für das Ansehen des Festivals.

Fazit der Geschichte: Ich kann mich anscheinend auch beschweren, wie schwer mein Leben ist, wenn ich nicht im Garten rumliege.

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3 Gedanken zu “Krah

  1. Also ist auf jeden Fall mal eine interessante Möglichkeit Geld zu verdienen.

    Und die meisten 1.Klässner sind wirklich „JÖÖÖ“, bis auf ein paar Ausnahmen ;D

  2. protagonistin schreibt:

    @Liliy: Jap, interessant war’s auf jeden Fall!
    …“bis auf ein paar Ausnahmen“ klingt nach schlechter Erfahrung: Erzählen! ;)

    @ Jonas: Ich ehrlich gesagt auch. Hatte nämlich das Vergnügen in der Buchhandlung rumposieren zu dürfen.. Mal schauen, ob die auf die lebensrezension drauf dürfen. :P

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