erlebt, gedankensalat, lebensbericht

Ich will auch mal!

Irgendwie machen sich Poetry Slams in Versen in letzter Zeit rar.
Da dacht ich mir, dass ich mich auch mal an einem Prosatext versuche. Drum ganz wichtige Anmerkung: Das Folgende ist als gesprochener Text gedacht, mit jeweiliger Intonation, längeren (künstlichen) Pausen zwischen den Abschnitten und relativ schnell, genervt oder fast hysterisch gesprochen. Und es beruht auf wahren Gegebenheiten. Mehr oder weniger.
Mal schauen ob ich den dann auch wirklich vortragen werde.

Es klopft und es kracht.

Es ist die Mitte der Nacht.

Oder zumindest glaube ich es. Der kurze Blick auf meinen Radiowecker, der mir seit anfangs Monat einfach nicht die Frequenz abspielen will die ich ihm befehle, bestätigt es mir.

Es ist die Mitte der Nacht.

Und es klopft und es kracht.

Einatmenausatmen.
Ich weiss nicht, was diesen Lärm verursacht, ich weiss nur, dass es meinen alltäglich nächtlichen Schlaf stört.
Einatmenausatmen.

Es Klopklopklopklopft im Taktaktakt.

Vielleicht. Vielleicht ist heute eine Party, von der ich nichts mitgekriegt hatte. Von der ich
bis jetzt
noch nichts mitgekriegt hatte. Vielleicht vergnügen sich gerade all meine Nachbarn und Mitbewohner und Freunde und Verwandte und..und..und deren Gäste und haben einfach vergessen mich einzuladen. Haben sich geweigert mich einzuladen. Wollten mich nicht dabei haben.

Einatmenausatmen.

Jetzt ist nicht die Zeit für eine Identitätskrise. Wenn die mich nicht an ihrer Party haben wollten ist das ihr Problem. Ich steh doch jetzt nicht auf, mitten in der Nacht, und geh runter: „Hallihallo, schicke Party, nein ich war nicht eingeladen aber ist auch egal, hahaha, ja ich hab euch drum feiern gehört und konnte nicht schlafen deshalb, hahahaa…“

Es klopft und es kracht.
Einatmenausatmen.

Ich werde nicht aufstehen. Ich widerstehe.
Das Getöse wird leiser, verstummt, ich horche, warte. Spannung.

Es klopft und es kracht.

Der Ganze Radau kann nicht von einer Fete kommen, da würde man doch Stimmen hören, und Rumpoltern, Lachen im Treppengehäuse und Schreie in die Nacht.

Einatmenausatmen.

Plötzlich wird etwas gegen meine Fensterscheibe geworfen. Ich sehe nicht was es ist, die Store ist runtergezogen.

Ich höre nichts mehr. Bestimmt war es ein tollwütiger Vogel der unaufhörlich gegen die Haupttüre fetzte bis er mein Fenster erblickte und vor lauter Freude noch ein weiteres Schlagmittel zu entdecken sich zu Tode gegen mein Fenster flog.

Es ist Mitte der Nacht.

Wenn der Vogel sich gerade gegen mein Fenster zu Tode geschlagen hat, dann… ist er jetzt tot.

Dann kann ich mich ja jetzt umdrehen und weiterschlafen.

Es klopft und es kracht.

Ok, kein Vogel. Aber was dann? Was probiert mitten in der Nacht Aufmerksamkeit zu kriegen durch stetiges Gegen-die-Türe-prallen?

Ein betrunkener Verrückter. Ein betrunkener Verrückter der Aufmerksamkeit will, mich aber umbringen würde, wenn ich ihm diese gäbe.

Einatmenausatmen! Jetzt erst recht.

Bestimmt hält er eine oder gar mehrere Waffen in der Hand, bereit jeden abzuknallen der sich ihm in die Quere stellt. Bestimmt ist er deshalb seit Anfang der Mitte der Nacht vor der Haustüre und pocht wie ein Wilder. Bestimmt macht ihm auch deswegen niemand auf.
Einatmenausatmen.
Einfach ignorieren. Solche Typen haben einen so hohen Alkoholspiegel im Blut, dass sie irgendwann einfach vor Müdigkeit umfallen und bis zum Mittag liegen bleiben. Einfach abwarten.

Ich warte.
Es ist Mitte der Nacht.

Ich kralle mich an meine Bettdecke, bereit darunter zu verschwinden, sollte etwas noch Seltsameres passieren, sollte eine Fratze vor meinem Fenster erscheinen, das Fenster einschlagen und…Moment.
Was ist vor dem Fenster? Store. Rollladen. Richtig.
Also schon mal keine Fratze.
Und auch kein wildes Einschlagen der Fensterscheiben.

Ich warte.

Plötzlich höre ich ein Rufen. Mein Name. Der Verrückte kennt meinen Namen! Er hat es auf mich abgesehen! Er kommt nur um mich umzubringen, mich zu zerfetzen, zerfleischen und in Stücke zu reissen!

Einatmenausatmeneinatmenausatmen.

Noch ein Rufen. Die Stimme meines Mörders kommt mir bekannt vor.
Es hört sich mehr nach einem verzweifelten Flehen als nach einem berserkerischen Fluch an.

Es ist Mitte der Nacht.
Und es klopft und es kracht.

Und ich realisiere, dass es nur mein Mitbewohner war, der sich draussen ausgeschlossen hatte.

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