erlebt, gesehen, lebensbericht

Gestern war ich zufällig auf einer Party

Zwar hatte ich mir während des Abendessens (Spagetti in der Uni, zu Ehren eines Spagettiwestern der nach dem Abendmahl gezeigt wurde. (Ich wusste gar nicht, dass Clint Eastwood so schön war)) gedacht, dass fett feiern wieder mal schön wäre, so zum Abschalten. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es am selben Abend noch dazu kommt.

Es regnete, ich war mit dem Fahrrad unterwegs, es war kalt, ich hatte meine Kapuze auf. Plus Helm. Sah wahrscheinlich schrecklich schick aus.
Etwas angeschlagen stell ich mein Drahtpferd in seinen Käfig (Ist wirklich ein Käfig, ich schreib das nicht nur zur Beschönigung des Satzes) und schleppe mich zur Wohnungstüre, wo eine Gestalt steht.
Etwas skeptisch zücke ich meinen Schlüssel hervor, fest entschlossen, die Türe dann hinter mir zuzuziehen, so dass niemand hinter mir rein kann, der den Schlüssel nicht hat. (Ja, ich bin manchmal fies.) Doch schon erscheint eine weitere Person innerhalb des Gebäudes und hält die Türe mir und dem anderen Typen offen. Ein Danke murmelnd drücke ich mich an die beiden vorbei.

„Im dritten Stock steigt eine Party, komm doch auch.“

Ich mach das sonst nicht. Einfach Fremden zu irgendwelchen Parties zu folgen.
Aber andrerseits ist es mir noch nie passiert, vor allem nicht im eigenen Haus. Also folge ich den beiden und finde mich wieder zwischen Unbekannten, teils angetrunken rumdröhnend und tanzend, teils mit vollen Glas in fesselnde Gespräche verwickelt. Die Wohnung ist bis auf einige Details und Bierflaschen dieselbe wie meine, plus viele Studenten. Ich werde ganz vielen vorgestellt, kann mir kaum einen Namen merken, es wimmelt von Erasmusstudenten aus Italien, aus Grossbritannien, aus Deutschland die hier sind um die Sprache zu lernen „aber sonst nicht viel machen.. ausser Spass haben!“

Bob Sinclar und Juanes ertönen, ich erschaudere, aber irgendwie freut es mich auch mit einem Tequila Ananas Sunshine (O-Saft war alle) meine Mitbewohner kennenzulernen. Mitbewohner vom gleichen Gebäude, nicht von derselben Wohnung. Von denen ist nämlich keiner anwesend.

Ich brauche unbedingt eine Fertigantwort für die Frage: „Ah, du studierst Filmwissenschaften, welches sind denn deiner Meinung nach die fünf besten Filme?“

Ich kann nicht einfach fünf Filme zu den fünf besten Filmen küren. Vielleicht hab ich ja gerade die fünf besten noch gar nicht gesehen. Klar geht es um meine jetzigen Lieblingsfilme und nicht um die universelle Filmwahrheit, aber trotzdem. Ich weiche aus und labere irgendwas von Pulp Fiction, da ich den am Abend zuvor geschaut hatte und nicht allzuschlecht fand, mein Gegenüber fragt mich nach einem kaum aussprechbaren Film, ich blicke wahrscheinlich ziemlich überfordert aus der Wäsche.
Zwar studiere ich Filmwissenschaften, aber im Gegensatz zu den vielen anderen die das studieren bin ich nicht von kleinster Kindheit an angefressen von alten Klassikern und experimentellen Streifen. Ich studier’s, weil ich’s nicht kenne und gerne kennenlernen würde. So kommt es, dass ich bis vor zwei Tagen keinen Tarantino gesehen hatte, bis vor einem Tag keinen Western.

Irgendwann brüllt einer, es sei zu voll hier, man ziehe weiter in einen Club. Ich mache mich glücklich aber müde aus dem Staub.

Heute Nachmittag hat es an der Türe geklingelt. Meine Mitbewohner haben die Angewohnheit die Türe nicht zu öffnen, ausser sie erwarten jemanden. So ziehe ich mir eine Jacke über und geh mal schauen wer was will.
„Heeey“, grosses Grinsen, „das ist der Film, von dem ich gestern sprach!“
Man drückt mir einen Fetzen Papier in die Hand und verabschiedet sich.
Auf dem Papier steht „The Shashank Redemption“.

Ich hab ein W unter dem Bett gefunden und werd versuchen mir den Film in nächster Zeit anzuschauen.

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5 Gedanken zu “Gestern war ich zufällig auf einer Party

  1. Trotters schreibt:

    „Ich studier’s, weil ich’s nicht kenne und gerne kennenlernen würde. So kommt es, dass ich bis vor zwei Tagen keinen Tarantino gesehen hatte, bis vor einem Tag keinen Western…“
    – Das finde ich eine klasse Einstellung.

    Ich hab‘ einen Bekannten und dieser schaut mich jedesmal geschockt an, wenn ich sage, dass diesen und jenen Film noch nicht gesehen habe (er hat eine riesige DVD-Sammlung),

    „The Shawshank Redemption“ finde ich ist ein ganz guter Film, welcher aber nicht wirklich jeden Geschmack trifft.

    LG Trotters

  2. LiqTie schreibt:

    Ja, das kenn‘ ich, jeder hat den Film gesehen, nur ich wieder nicht. Macht nichts, irgendwann sieht man den zufällig und so toll ist der dann auch nicht :)

  3. protagonistin schreibt:

    @Trotters: Danke. :) Hab inzwischen The Shawshank Redemption geguckt, und.. naja. Ganz ok. Aber ich glaube, genau meinen Geschmack trifft er nicht ganz.. ^^ Erinnerte mich irgendwie an „In the Name of the Father“, aber das ist eh nur wegen der ganzen Gefängis-Sache.

    @LiqTie: Das stimmt! Siehe Shawshank Redemption (kann man genauso schlecht schreiben wie sagen..Zungen- und Fingerbrecher..)

    Dankeschön euch zweien für eure Kommentare :)

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