erlebt, lebensbericht, motzgurke

Vom Umkippen

Ich taumle zum Bad. Setze mich auf die Kloschüssel.
Und wache auf. Bin ich eingeschlafen? Wie lange sitze ich schon hier? So kann man Mitbewohner auch nerven¹: Einfach morgens das Bad blockieren. Ich probiere mich aufzurappeln, mich zu fassen – und wache schon wieder auf, diesmal nur zur Hälfte auf der Kloschüssel sitzend. Mein Kopf ist gegen die Wand gepresst, ich spüre Ameisen in meinen Armen. Ach und: Huuuii, Sternchen! Und Kopfschmerzen. Ich erreiche die Badezimmertür, bin noch genug geistesgegenwärtig um zu spülen, Hände zu waschen, das Licht abzuschalten – schwarz.

Langsam wache ich auf. Über mir zwei Köpfe und vor allem viele viele Sternchen. Ich erkenne die Gesichter meiner Mitbewohner, kapiere allmählich, dass ich auf dem Flur liege, die Beine auseinander, den Finger auf den Lippen. Wie ich hier gelandet bin, weiss ich nicht.
„Hörst du mich? Hallo?“, klingt es von weit her. Ich erkenne meinen Namen, probiere meinen verdammten Zeigefinger von meinem Mund zu nehmen und gebe ihnen so ein Zeichen: Trotz weit geöffneter Augen und Reglosigkeit bin ich nicht tot. Nur kurz ohnmächtig geworden. Zum dritten Mal heute morgen.

Nein, das ist bei mir nicht üblich. Es ist sogar das erste Mal, dass ich so ed Öpfel gheie². Ich hab mir dieses Wochenende in Mailand wahrscheinlich was ungesundes eingebrockt, so der freundliche Arzt, der von meinem Mitbewohner³ herbestellt worden ist. Zwei, drei Tage ausruhen, dann sollte alles wieder im Lot sein. Gerne.

Vorteile:
Sternchen sind lustig.
Ich darf schlafen wann ich will.
Ich muss nichts lesen und krieg nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei.

Nachteile:
Sternchen sind scheisse.
Ich verschlafe ganze Tage.
Mir ist hundsübel wenn ich nur die Augen öffne. Trinken muss ich, mag ich aber nicht. Essen will ich, mag ich aber auch nicht. Und das Beste: Der/Die/Das gerade lebenswichtige Löffel/Stift/Buch/Medikament/Wasserglas liegt immer auf dem Tisch, während man sich gerade aufs Bett geworfen hat, weil langsam die Sternchen zurückkehren.

Inzwischen geht es mir schon viel besser, ich hab sogar eine Banane verspeisen können. Drum hab ich mich mal an den Computer gewagt. Gute-Besserungs-Wünsche natürlich immer gern gesehen.

¹ Trackbackattack! (Jetzt fang ich auch mit diesen Fussnoten an..)
² Schwiizerdütsch für tomber dans les pommes [fam.]: Das Bewusstsein verlieren, ohnmächtig werden.
³ Ich nehme alles schlechte, was ich je über meine Mitbewohner gesagtgeschrieben habe, zurück.

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5 Gedanken zu “Vom Umkippen

  1. Oh shit, gute Besserung! (Jetzt fühle ich mich gleich doppelt geehrt, dass du dir die Mühe gemacht hast meinen „Per Kurzfilm durch Europa“-post zu lesen und auch noch zu kommentieren ^^ )

  2. Trotters schreibt:

    Gute Besserung.^^
    Etwas, was ich eher selten getan habe, bis vor kurzem mir jemand sagte, dass man keinem keine gute Besserung wünschte, auf diese weiblich, ernste Art und jetzt meine und sage ich auch ernsthaft jedes malgute Besserung.

    Will schlafen… Sabber… Ausschlafen… Sabber…
    Gegen den Preis der Gesundheit… Mmh…

    Dabei fällt mir ein, dass ich noch nie ohnmächtig wurde, wie fühlt das sich an (man fühlt denke ich nichts) und wie fühlt es sich an aufzuwachen, wacht man da ganz normal auf (schätze schon)?

  3. protagonistin schreibt:

    @jonas: Danke. :)

    @Boldor: Darauf weiss ich eigentlich gar nicht was antworten. Aber du hast Recht.

    @Nils: Danke. (Ich war sowieso grad am Computer..drum. Ja)

    @Trotters: Das fühlt sich.. äh. Eigentlich fühlt es sich vorher überhaupt nicht an, und nachher seltsam. Es ist wie im Film: Du liegst am Boden und langsam, langsam kommt Licht und Ton wieder. Und dann kommen Schmerzen, je nachdem wie du gefallen bist, und dann versuchst du dich aufzurappeln und die Sternchen erscheinen erneut.

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