erlebt, gedankensalat, geplapper, lebensbericht, motzgurke

Warum ich meine Mitbewohner ja doch mag (manchmal)

Denn manchmal nerven mich meine Mitbewohner abscheulichst. Manchmal waschen sie nicht ab. Zwei Tage lang. Oder sie ersetzen den vollen 35 Liter Göselsack durch einen 110 Liter Sack und füllen ihn gleich mal zu Beginn mit Essensresten. Manchmal hören sie auch total laut total schlechte Musik.

Manchmal finde ich sie auch einfach nur komisch. Ich hab diese Woche erfahren, dass wenn einer der Mitbewohner „Hihowareyou“ sagt und in seinem Zimmer verschwindet, man nicht antworten muss. Sonst kommt er aus seinem Zimmer geeilt, schaut ganz betroffen drein und meint:

„Sorry, you said something?“

Manchmal nerven mich auch unsere Unterhaltungen. Grosses No-Go: Ironie.
„Heute kam der Hausabwart vorbei, die Wohnung sei dreckig! Dabei war sie noch nie so sauber“ – „Naja, wir wohnen ja auch in einem Museum und nicht in einer Wohnung..“ – „Äh.“ (Starrender Blick.)

Manchmal reden wir auch aneinander vorbei.
Erster Mitbewohner (fröhlich zum Thema „Gemeinsamer Abend“): „We decided to do raclette instead of fondue, so you can participate, since you don’t like fondue.“
Ich: „Oh.. but I won’t be here that evening…so you can do fondue if you want to.“
Zweiter Mitbewohner (Fernsehschauend): „No, but we’re actually planning to do raclette.“
Ich: („D’uh.“)

Und an manchen Tagen reden wir gar nicht. Typische Küchenkonversation:

„Hey.“ – „Hey.“

Und weil ich ja mal nicht so sein will, doch noch die schönen Seiten an meinen Mitbewohnern (…schliesslich könnte es sein, dass einer von ihnen eines Tages auf diesen verfluchten Blog fällt und ihn voller Entsetzen liest.):
Sie waschen auch meine Sachen ab, weil auch ich manchmal zwei Tage lang nicht abwasche (Iiih.)

Sie packen mein offenes, mit Fleisch gefülltes Tupperware in den Kühlschrank, weil ich es vergessen habe (und dann mitten in der Nacht völlig verwirrt in die Küche eile um nachzuschauen ob es noch zu retten ist oder sich schon Salmonellen darauf breitgemacht haben).

Sie borgen mir Milch oder Butter, wenn ich wieder zu faul war um welche nachzukaufen. (Manchmal ist Butter auch abgelaufen, aber hey: Die Absicht zählt.)

Sie organisieren spontan einen Erasmusabend in unserer Wohnung. (Okay, kann auch zu den negativen Punkten gehören. Aber bisher waren diese Abendessen-Parties meist nur total super.)

Sie leihen mir nach einem Gespräch über irgendwelche Filme genau diese irgendwelchen Filme aus, weil sie sie zufällig auf dem USB-Stick haben (Ehem.)

Sie retten mein Leben rufen den Arzt, zum Beispiel wenn ich mal blöderweise in Ohnmacht falle.

Manchmal hören sie plötzlich so gute Musik, dass ich aus lauter freudiger Überraschung quer durch die Wohnung zu ihrem Zimmer hüpfen möchte um sie zu umarmen. Okay, es wird kitschig. Ich hör besser auf bevor ich wie James Blunt zu rosa Butterblumenregen klinge. Und jetzt starrt mich bitte nicht an.

Advertisements
Standard

7 Gedanken zu “Warum ich meine Mitbewohner ja doch mag (manchmal)

  1. haha, sehr schön. ich hatte auch schon so meine Erfahrung mit Ironie in englischsprachigen Ländern…hat nicht funktioniert.

  2. das abwaschen ist glaube ich in jeder wg ein problem. bei uns steht das geschirr manchmal ne woche lang rum, ohne dass jemand abwäscht. ich glaube du solltest nie hierher kommen. ;)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s