erlebt, lebensbericht

Nerdiges Freiluftimprotheater ohne Publikum

Ich oute mich: Ich larpe.

Das Wort gibts vielleicht gar nicht, aber die Tätigkeit sehr wohl. Das hat nichts mit Schlarpen oder mit Lappen zu tun, sondern mit Fantasy und Rollenspiel. Dabei verkleidet man sich und rennt dann mit einer Gummiwaffe im Wald umher um Orks zu jagen.

Kleine Änderungen, damit es etwas korrekter wird: Verkleidungen gibt es nicht, schliesslich ist man gewandet, ausserdem ist es eine Latexwaffe und im Wald renne ich persönlich auch kaum rum, da gar keine Orks vorhanden sind. Sondern Untote. Und die kommen auch von alleine aus dem Wald. Meistens. Manchmal weiss man OT nämlich genau, dass schon lange ein Angriff fällig wäre, da man schon seit Stunden keinen NSC mehr in der Gegend gesehen hat und annehmen darf, dass sie alle auf dem Hügel oben stehen und sich vorbereiten um brüllend runterzurennen und alles abzuschlachten was noch Hirn hat. (Okay, rennen tun sie auch nicht, eigentlich.) Und dann passiert nichts – bis zwei Uhr morgens, als man gerade schön im Bett liegt. In einem solchen Fall lässt man die Gerüsteten das Ganze erledigen, denn obwohl man das Geschrei (Latexwaffe auf Bein), Gefluche (Latexwaffe auf Baum) und Gescheppere (Latexwaffe auf Rüstungsteil) kaum überhören kann, weiss man genau, dass eh alles schon vorbei sein wird bis man die drei Gewandungen und sieben Gürtel samt Lederbeutel anhat. Morgens kann man dann anhand der Augenringe und jeweiliger Laune erkennen, wer Wache gehalten hat und sich somit mit den Zombies rumschlagen durfte.

NSC sind übrigens Nichtspielercharakter. Solche die erst nach der Anmeldung wissen, was sie spielen werden, dafür aber im Voraus schon wissen, wie der Plot aussieht und wer wie gewinnen wird. Sie essen in unregelmässigen Abständen, weil sie sich zu Essenszeiten für den nächsten Angriff umziehen müssen. Überhaupt ziehen sie sich von allen Spielern (bzw. Nichtspielern, haha) am meisten um, da sie ständig zu gegebener Zeit von einer Rolle zur nächsten hüpfen dürfen. Sie sind die einzigen, die eine Ahnung von Zeit haben, und das, indem sie auf eine Uhr schauen, und nicht nur in den Himmel blicken um dann Handgelenk mal Pi zu meinen, es sei wahrscheinlich Nachmittag, so wie die Sonne gerade steht. Dafür dürfen sie aber bei Schlachten ohne ungutes Gefühl sterben, da sie eh gleich wieder aufstehen dürfen um eine Stunde später als anderer Charakter wieder in den Kampf zu ziehen.

Larp ist aber nicht nur rumrennen und kämpfen. Es ist auch unnötige oder lebenswichtige Dinge an- oder verkaufen, Rätsel lösen, Trink- und Würfelspiele bei Kerzenlicht, rumgauklern und dieben (ja, es muss kleingeschrieben sein), den Wald nach Spuren oder Edelsteinen absuchen, mit schlammigen Wanderschuhen an heiligen Ritualen teilnehmen, Gerüstete Blechmenschen auslachen und selber verarztet werden müssen, mit Kunstblut rumspritzen, Erfahrungen austauschen, tolle Gespräche und vor allem spielen.

Interessant finde ich immer wieder, wie man am letzten Tag nach der grossen Endschlacht und ebenso grossem Hausputz entdecken kann, dass der weise Magier mit Abneigung zu Kobolden eigentlich Wirtschaftsstudent ist und die kräftige Söldnerin in Wirklichkeit Autos repariert. Und dass all diese auch in Jeans um Baumwollshirt rumlaufen, nicht nur in Leinengewand und Lederrüstung. Die grossen Waffen kommen dann in stinknormale Sporttaschen und nach Hause kommt man mit dem Zug, wo man langsam merkt, dass man aus diesem fernen Land als Souvenir (je nach Rolle) einen Muskelkater und viel Dreck mitbringt. Oder viel Silber und Kupfer. Oder auch nur Vorfreude aufs nächste Larp.

Ach wie schön, ich krieg immer so rührende Schlussworte hin.

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3 Gedanken zu “Nerdiges Freiluftimprotheater ohne Publikum

  1. Atnaja schreibt:

    Zum Rennen der NSCs kommt mir nur in den Sinn:
    Du auf dem Weg zur Statue: „Stimmt ja, dass sind Untote, die können ja nicht rennen“ (oder so ähnlich)
    Im selben Moment wechseln die Untoten von langsamen gehen auf ziemlich schnelles rennen.. ;)

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