gehört, gesehen, kulturkritik

critique triptyque

Titel made by meine Mutter. Es ist wieder mal Zeit für ein bisschen Senf! Drei komplett verschiedene Filme, die ich aber alle drei auf ihre Art sehenswert fand.

The Libertine
Vom Umstand mal abgesehen, dass ich technischen Begebenheiten wegens vollends auf Untertitel verzichten musste – und somit bei dem we-are-not-amused-thou-must-know-Englisch vieles nur oberflächlich mitbekam – scheint The Libertine ein sehr schöner Film  zu sein. Sehr ästhetische Bilder, fast Gemälden ähnlich. Der Film schien in blassen, gräulichen Tönen zu sein, was ihm eine Art Strenge verlieh. Vielleicht suche ich auch zu weit, weil ich not that good im gemurmelten british english bin. Dafür bin ich überrascht, wie gut ich vor allem John Malkovich verstand. Und beizeiten sogar Johnny Depp, aber der murmelt so gerne. Dafür ist er schön anzuschauen, zumindest in den ersten dreivierteln des Filmes. Wikipedia bestätigte mir schliesslich, dass ich doch den grössten Teil richtig verstanden hatte: Der König von England holt sich seinen ehemals ausgewiesenen Schützling zurück, Johnny Depp, damit dieser ihm ein Prachtsstück schreibe. Das Stück wird zur pornographischen Katastrophe, während Johnny mit der grauen Bühnenmaus rumturtelt. Schliesslich wird er wieder aus dem Land gewiesen, versteckt sich, rettet mit einer herzzerbrechenden Rede (die ich nicht verstanden habe) den Ruf oder sonst sowas ähnliches des Königs und stirbt nachdem sein Gesicht immer mehr auseinanderfällt. Falls ich den Film aber nochmals mit Untertiteln schauen könnte, würde ich nicht nein sagen.

Tokyo!
Ungewöhnlich ist er, und teilweise sehr skurril. Und er ist dreigeteilt. Der erste Film ist von Michel Gondry (meinem Lieblings-Michelgondry!), der zweite von Leos Carax und der dritte von Bong Joon-ho. Was ich sehr interessant fand. Zwei Franzosen und ein Koreaner. Als Voraussetzung hatten die drei eigentlich nur, dass die Filme in Tokyo zu spielen hatten und nicht viel länger als eine halbe Stunde dauern sollten. Eine angenehme Länge, denn so konnte ich mich in eine Geschichte hineinversetzen, ohne das Gefühl zu kriegen, das Thema sei völlig in die Länge gezogen (long métrage) oder zu kurz behandelt worden (Kurzfilm). Im ersten Teil verwandelt sich eine junge Frau nach und nach in einen Stuhl, im zweiten terrorisiert eine Kreatur aus dem Untergrund die Stadt und im dritten lernt man das Leben eines jungen Mannes kennen, der seit elf Jahren keinen Fuss vor seine Wohnung gesetzt hat. Tokyo muss eine sehr surrealistisch anmutende Stadt sein.tokyo!
Interessant fand ich vor allem, dass drei Nicht-Japaner sich an diese Stadt wagten, trotzdem aber mit japanischen Schauspielern arbeiteten. Wie sehen Japaner diesen Film, erkennen sie sich wieder oder sehen sie eher la touche occidentale? (Kommt der überhaupt in Japan in die Kinos?) Inwiefern haben sich die drei Unterstützung von Japanern geholt, um die Kultur und Sprache mehr oder weniger realistisch rüberzubringen? (Realistisch wird wohl das falsche Wort sein, wenn ich schon von Surrealismus schreibe..)
Ich glaube von den dreien hat mir der letzte am Besten gefallen. Der erste fing zwar gut an, aber die ganze Sache mit dem Stuhl ging mir dann verhältismässig zu schnell. Lange Einleitung, und dann – puff! – huch, sie wird zum Stuhl! Fertig. In den zweiten kam ich gar nicht richtig rein, obwohl er sehr unterhaltsam war. Irgendwie war mir da zuviel Klischee drin: Mensch oder Godzilla, die Kommunikationsprobleme in der höchst seltsamen Merde-Sprache und schliesslich das geheimnisvolle Verschwinden des mysteriösen Unbekannten. Hohoo, völlig unerwartet!
Volle Punktzahl erhält also nur der dritte Film, der von einem Hikikomori handelt.
Etwas schade fand ich, dass im Trailer schon die meisten Überraschungs- und Ekelmomente gezeigt werden. So erwartete ich viel Schlimmeres, als ich dann zu sehen bekam. Trotzdem sehr spannend!

The Boat that Rocked
Ich hab schon lange nicht mehr so gelacht während eines Filmes. Die ganze Zeit hatte ich ein Grinsen auf den Lippen. Den Film musste ich nur schon sehen, weil ich momentan ein Minipraktikum beim Radio mache.
Überrascht war ich ja eigentlich nie wirklich: Ein Piratenradio spielt total gute Musik, wird von der Regierung gejagt und geht schliesslich, nach einigem Dagegenkämpfen, unter. Wie die Titanic. Und eigentlich weiss man das auch schon von Anfang an, genauso wie klar ist, dass die vom Piratenradio die Guten und die in der Politik die Bösen sind.

boatthatrocked22

Der Film lebt also nicht von seiner komplexen Geschichte oder seinen spektakulären Bildern, sondern von seinen acht schrulligen Radiomoderatoren. Denn um deren Leben auf dem Schiff geht es um erstes. Wie sie Musik lieben und abspielen, wie sie sich gegenseitig freundschaftlich rivalisieren und vor allem mit wem sie ihren sextacular Saturday verbringen, dem einzigen Tag, an dem auf dem Schiff Frauen erlaubt sind. Gleichzeitig ist für jeden Typ was dabei, denn obwohl es sich grundsätzlich vor allem um Sex, Drugs and Rock’n’Roll dreht, (No Morals prangert das Plakat an) steht einer der Schiffspassagiere fest zu seiner Überzeugung, dass nichts vor der Ehe laufen soll, während ein anderer noch als Jungfrau auf dem Schiff die Liebe seines Lebens kennenlernt. Also doch nicht nur freie Liebe. Obwohl der Typ mit no sex before marriage dann von seiner Liebsten ziemlich rasch verlassen wird. Würde erklären, dass keine Moral doch die beste Moral ist..? (Hach, ich bin so böse, ich spoilere ohne Vorwarnung!) Dass die Charaktere des Schiffes alle anders und gleichzeitig ein wenig verrückt sind, macht sie jedenfalls total sympathisch. Und mit Untertiteln ist british English richtig super. Der Film wird bestimmt wieder für einen gut gelaunten DVD-Abend herhalten müssen.
Freiheit, Liebe und farbige, ausgeflippte Kleidung. Und richtig gute Musik.
Da bereue ich wieder einmal, dass ich die Hippiezeit nie erleben konnte.

Theboatthatrockedposter

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4 Gedanken zu “critique triptyque

  1. A. schreibt:

    Nur kurz ein Danke für die Blumen bzgl. meiner Schreibe, die ich an dieser, oder besser gesagt anderer Stelle gerne in Form eines gesetzten Links zurück gebe.

    Grüße aus dem Frankenland
    A.

  2. The Boat That Rocked ist tatsächlich groß! Gute Laune-Film mit wunderbarer Musik und tollen Figuren, die man gerne täglich im Radio hören würde. :)

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