erlebt, gehört, kulturkritik, lebensbericht

Rock en Seine

Ich bin definitiv verzaubert. Patrick Wolf. Aber beginnen wir von Vorne.
Gekommen war ich vor allem für drei Bands / Künstler: MGMT, Klaxons und eben „Patou“, wie gewisse Pariser Mädels schrien. Bis aber die drei drankamen musste ich etwas abwarten und entdeckte dafür jazzy Robin McKelle…:

…und Macy Gray live. Beide waren sehr sehens- und hörenswert, Macy Gray hat eine richtige Show abgezogen und das Publikum total mitgerissen. War schön anzuschauen.

Dann endlich: MGMT. Meine Vorfreude war etwas getrübt, weil mein Handy kurz davor den Geist aufgegeben hatte. Ich brauchte es um wieder nach Hause zu kommen und hab dadurch eine kleine Panikattacke gekriegt: Ich, mitten in Paris, ohne Handy. Anyway: MGMT war – vielleicht vor allem wegen meiner Gemütslage – etwas enttäuschend. Sie spielten zwar sehr gut, all ihre Hits und etwas mehr, aber das Publikum ignorierten sie praktisch. Ein kurzes „I love Paris“ zu Beginn und dann ein Runterrattern der Setlist. Ich wette, hätten sie nur einmal während Electric Feel oder Kids ein wenig mit ihren Händen rumgefuchtelt, wär das Publikum Feuer und Flamme geworden und wär rumgesprungen. So tümpelte ein schwacher Begeisterungsbeginn in der Masse, der einfach nicht entfacht wurde. (Ich sprech jetzt für meinen Standort, irgendwo mittelinks – ganz vorne sah es bestimmt ganz anders aus.)

Dann das typische am Rock en Seine: Völkerwanderung von einer Scène zur nächsten. Gegenverkehr absolut ausgeschlossen, am Besten stellt man sich hinter einen Baum und wartet ab bis die Masse vorbei ist. So campt niemand vor der Bühne.

Auf meinem Programm standen die Klaxons an. Ich hatte sie schon einmal live gesehen und wurde damals etwas enttäuscht, weil sie – wie jetzt MGMT – einfach nicht mit dem Publikum kommunizierten. Sie waren etwas lau gewesen, als wären sie verärgert, überhaupt spielen zu müssen. Aber ich wollte ihnen eine zweiter Chance geben – schliesslich kann ich einen grossen Teil der Songs locker mitlallen. Und diesmal hab ich gelernt: Sie gehen ab. Und zwar richtig. Nur muss man einfach mittendrin sein. Am Rand klingts nur repetitiv, laut und eindringlich – ist es ja auch, aber trotzdem super.

Last but not least: Patrick Wolf. Nach dem Lesen des Reviews auf Whitetapes befürchtete ich das Schlimmste, aber glücklicherweise zeigte er sich von seiner besten Seite, obwohl er den Zonk gezogen hatte: Während er auf der kleinsten Bühne sein Bestes gab, rockten weiter hinten Prodidy. Dementsprechend tummelten sich gut 30 Personen vor seiner Bühne, mehr nicht.
Im Gegensatz zu MGMT aber war er von Beginn an für sein Publikum da – auf Französisch! Fast vergass er den Text zu The Libertine, weil er sogar auf Französisch singen wollte („The circus girl fell off her… cheval!“) und fragte vor einer kleinen Madonna-Einlage wie man „a virgin“ denn übersetze. Weil aber alle durcheinander schrien, liess er es dann doch lachend sein und sang auf Englisch.

Und noch ein Punkt: Auffallend viele MGMT-Fangirls/boys kamen als Neohippies, samt Federn im Haar, Schminke und Neonfarbenen Strümpfen. Die Band selber aber kam in Jeans und Shirt. Ist da nicht was verkehrt? Drum punktet gleich wieder Patou: Im Gegensatz zu den meisten Künstlern zieht er nicht nur ein Kostüm an, (ob es schön ist, diskutieren wir ein andermal…) sondern er zieht sich während seiner Show auch noch um. High Heels gabs zwar keine, dafür ein Haarschnitt bei dem ich am liebsten auf die Bühne gerannt wäre um ihm ein wenig reinzuschneiden. Anschliessend selbstverliebte Posen im Scheinwerferlicht, als wäre er auf einer Modeschau. Aber auch das gehört zur Show.

Fazit: Rock en Seine hat sich gelohnt. Umweit von Paris und ein echter Genuss. Nur schade habe ich Metric und Prodigy verpasst. Aber Patou macht ja alles wett.

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