erlebt, geplapper, lebensbericht

Legolas kann man nicht ignorieren. Aber man sollte.

Ich hab die Angewohnheit meinen Körper manchmal zu ignorieren. Deswegen falle ich auch manchmal in die Äpfel. Und deswegen würde ich wahrscheinlich auch schon bald elendiglich an irgendeiner richtig schlimmen Krankheit sterben – wenn nicht meine liebe Mama wäre, die mich immer warnt, bevor es zu spät ist: Du siehst mir aber blass/müde/kränklich/zombiesk aus, du solltest dies und das schlucken/einsalben/trinken, jetzt noch!

Was ich hingegen nicht ignoriere, sind Mitreisende im Zug.
(Wumm, Themawechsel. War doch ein eleganter Übergang?)
Besonders interessant sind solche, die Stöpselchen in den Ohren haben. Der eine nickt unaufhörlich mit dem Kopf, schwingt bei emotionalen Passagen nach links und rechts. Ein anderer tippt subtil mit dem Finger gegen seinen iPod, lässt sich sonst nichts anmerken. Ein dritter wiederum hört beim Nachbarn mit, der mit einer Lautstärke für das Ganze Zugabteil die Bässe bouncen lässt. (Bouncende Bässe?)

Oder die versteckten Persönlichkeiten, die können auch ganz faszinierend sein.

Dieses Wochenende bin ich eine Stunde lang gegenüber Legolas gesessen. Ich fuhr auch schon mit Bruce Willis Zug, aber das war weniger spektakulär, da ich auch einen Prof hab der Bruce Willis ist. Aber mit Legolas Zug zu fahren – das ist schon was. Ich war schliesslich mal ganz fest in ihn verliebt. So ein bisschen. Jedenfalls notierte sich Legolas die ganze Fahrt durch etwas auf einen kleinen Zettel. Dabei schien er ganz gedankenverloren und starrte von Zeit zu Zeit Löcher in die Luft, als würde er etwas umheimlich romantisches dichten. Ein poetischer Legolas! Zwar im Nachhinein so ziemlich das Kitschigste, was mir hätte über den Weg laufen können (wenigstens hatte er keinen rosa Pullover), aber in diesem Augenblick war ich überwältigt. Wäre ich mit vierzehn gegenüber eines poetischen Legolas gesessen, hätte ich wahrscheinlich zwei Wochen lang nicht mehr schlafen können. Ich starrte seinen Zettel an, in der Hoffnung einen Blick auf sein mysteriöses Gekritzel werfen zu können, auf seine lyrischen Ergüsse. Wahrscheinlich eine Liebeserklärung, so wie er zwischen zwei Zeilen aus dem Fenster schaute.
Und als er endlich seinen Fetzen Papier hinlegte um in seiner Tasche rumzukramen, als ich endlich einen Blick auf sein Gekritzel werfen konnte – Formeln!

Legolas ist definitiv doof.

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9 Gedanken zu “Legolas kann man nicht ignorieren. Aber man sollte.

  1. Bei der Beschreibung des emotionalen iPod-Hörers habe ich mich irgendwie ertappt gefühlt …

    Tss Legolas, wer braucht schon Legolas? Ich warte immer noch darauf, dass ich eines Tages Arwen im Zug gegenüber sitze, die neugierig einen Blick in mein Notizbuch wirft und sich dann dank meiner poetischen Kraft („Rosen sind rot, Veilchen sind lila …“) unsterblich in mich verliebt.

  2. protagonistin schreibt:

    @QT_P: Sind denn 2 Punkte gut? :S

    @learsander: Vergiss es, wenn ich Legolas nicht abkrieg, dann kriegst du Arwen bestimmt nicht. ;) Wahrscheinlich kann sie eh nur Sindarin lesen, und würde deine Poesie gar nicht entziffern können. Hach ich bin so böse. Tschuldigung.

  3. @protagonistin: Entschuldige mal, ich bin ein Nerd. Ich beherrsche Sindarin fließend. Und ich dichte auf Sindarin. (yeah, eat this …)
    So schnell lasse ich mir Arwen bestimmt nicht nehmen ;)

  4. Na, für diese Fairness sollte dir ein Legolas gewiss ein. Patt, würde ich sagen. Wir werden beide glücklich und gehen mal mit Elfen aus … jaaa. ^^

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